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Unsere Sprache kann man ansehen als eine alte Stadt: Ein Gewinkel von Gässchen und Plätzen, alten und neuen Häusern, und Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten; und dies umgeben von einer Menge neuer Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern.



Weitere Überlegungen:

Wittgenstein arbeitet häufig mit Bildern, die er zur Verdeutlichung bzw. Veranschaulichung seiner Überlegungen einsetzt (vgl. z. B. die Metapher vom Werkzeugkasten in PU §11, das Bild vom Führerstand einer Lokomotive in PU §12, die Analogie zwischen Sprach- und Schachspiel in PU §31 oder der Vergleich mit dem Fliegenglas in PU §309). Zugleich scheint er diese Art der Darstellung nicht nur als stilistische Eigenart, sondern ganz bewusst als philosophische Methode einzusetzen.

Indem Wittgenstein Bilder aus dem Alltag anspricht, knüpft er bei seinen Leser:innen ganz bewusst an deren Vorstellungsbilder an. Gleichwohl ist sich Wittgenstein bewusst, dass die vorgestellten Städte bei seinen Leser:innen ganz unterschiedlich sind. Um die Herstellung form- und inhaltsgleicher Assoziation geht es ihm nicht. Er möchte im und durch das Lesen, seine Leser:innen zum (Nach-)Denken anregen.

in Veränderung befindliche Struktur, Möglichkeit der Orientierungslosigkeit,

Hinweis auf einen geschichtlichen und gegenwärtigen Zustand1

Die rhetorisch von W vorgebrachte Frage, wann und wo eine Stadt beginnt und ob sie vollständig ist, ist nicht einfach zu beantworten.

  1. Bezzel, Chris: Wittgenstein. 4. Auflage. Hamburg: Junius Verlag. (= Zur Einführung 128), S. 11. ↩︎

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